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Notker Becker

 

 Das Interview führte

 Notker Becker

 für die Ausgabe 1-2006,

 erschienen Juli 2006.

2005/2006 Karl-Theo I. und Herta Reinhart

Karl-Theo I. und Herta Reinhart

In der Sonne: das Königspaar Karl-Theo I. und Herta Reinhart. Foto: N. Küpping

Nur glückliche Gewinner - keine Verlierer

L & L: Herr Reinhart, wann ist die Entscheidung gereift, einmal Schützenkönig werden zu wollen?
Reinhart: Es gab schon lange den Wunsch, das Schützenfest einmal als Königspaar zu erleben. Meine Frau Herta und ich waren bereits Anfang der siebziger Jahre im Hofstaat bei Marga und Heinz-Günter Hüsch und haben auch die Königszeit der Familie Flecken hautnah miterlebt. Schon damals hat uns der Gedanke, einmal das Königspaar in Neuss zu sein, nicht losgelassen. Dieses Fest hat uns über Jahrzehnte immer eine Menge gegeben an Freude, Freundschaft, Zusammenhalt.  Das wollten wir einmal aus der Perspektive der höchsten Repräsentanten des Festes erleben, und von dort aus einiges zurückgeben von dem, was uns das Fest gegeben hat.

L & L: Was macht das Amt des Schützenkönigs aus?
Reinhart: Man repräsentiert die Schützen und ist doch mitten unter ihnen und wird von ihnen getragen. Man repräsentiert aber auch ein Fest, das nach wie vor als Symbol für diese Stadt steht, das Gemeinschafts- und Heimatgefühl transportiert, das ein Aushängeschild und ein großer Image- und Wirtschaftsfaktor für diese Stadt ist. Letztlich repräsentiert man also auch seine Heimatstadt. Das ist eine schöne, aufregende und spannende Aufgabe.

L & L: Was fasziniert Sie besonders am Schützenfest?
Reinhart: Wie dieses Fest für viele Neusser die Bindung und Treue zur Heimatstadt aufrechterhält. Das Schützenfest ist der Kristallisationspunkt mit dem Freundschaften, Begegnungen und weitere vielfältige Kontakte gepflegt werden können. Viele Neusser, die in der ganzen Welt verstreut sind, definieren über Schützenfest ihre Bindung an ihre Heimatstadt. Sie sind mindestens an den Schützenfest-Tagen in Neuss und tragen gleichzeitig durch ihre Freude über das Fest eine tolle Botschaft aus dieser Stadt in ihre neue Heimat hinaus.

L & L: Was ist vielleicht die schönste Erkenntnis aus Ihrem Schützenjahr?
Reinhart: Man erlebt gerade als Königspaar bei seinen vielfältigen Einladungen die Vielfältigkeit des Schützenlebens über das ganze  Jahr hinweg. Es gibt einen verbindlichen Rahmen an den eigentlichen Schützenfest-Tagen, ansonsten sind der Kreativität und Individualität der Schützen keine Grenzen gesetzt. Viele Schützenzüge organisieren das Zugleben als Familienereignis, andere eher im Kreis der Männer, die einen haben jeden Monat Zugversammlung, andere nur einmal im Jahr. Hier hält es jeder, wie er will, und das ist auch gut so. Was mir zudem besonders wichtig ist, ist die Tatsache, dass dieses Fest auch auf christlichen Traditionen und Werten beruht. Wir sollten dies auch immer wieder hervorheben und nicht unter den Tisch fallen lassen. Da ist das karitative und mitmenschliche Engagement, das viele Züge zeigen, ein leuchtendes Vorbild.

L & L: Was hat Sie besonders bewegt in diesem Jahr?
Reinhart: Es ist beeindruckend mit welcher Freude und mit welchem Respekt das Schützenkönigspaar überall empfangen wird, sei es bei den Schützen selber, aber auch bei anderen vielfältigen Begegnungen, zum Beispiel bei Besuchen im Altersheim. Man spürt dann schon, welch große Bedeutung das Amt bei den Menschen in dieser Stadt genießt.

L & L: Wie haben Sie Ihr Königsjahr gestaltet?
Reinhart: An unserem Königsjahr hat die ganze Familie intensiv teilgenommen, meine Frau und ich, die erwachsenen Kinder, die Eltern und der ganze Freundeskreis. Wir haben die Entscheidung, die Königswürde in diesem Jahr anzustreben, gemeinsam getroffen und das Königsjahr deshalb auch gemeinsam gestaltet. Für mich war natürlich besonders wichtig, das Jahr mit seinen vielen Terminen und Ereignissen gemeinsam mit meiner Frau zu erleben. Wir haben beide viel Freude an Schützenfest, es immer gemeinsam gefeiert, und das sollte im Königsjahr auch nicht anders sein.

L & L: Sie sind als einziger Bewerber an die Vogelstange getreten, ein Modell mit Zukunft?
Reinhart: Nein um Gottes Willen. Das kann nur die einmalige Ausnahme sein, und es ist ein Teil meines Bestrebens, durch Ansprache, Argumentation und Überzeugungskraft mit dafür zu sorgen, dass jedes Jahr mehrere qualifizierte Bewerber an die Vogelstange treten und die Königswürde anstreben. Das Schützenfest-Finale am Dienstag auf der Wiese lebt von diesem spannenden Wettstreit und so eine Situation wie im vergangenen Jahr darf nicht mehr vorkommen

L & L: Haben Sie diesbezüglich Verbesserungsvorschläge?
Reinhart: Man müsste zum Beispiel viel mehr die unterlegenen Bewerber herausheben. Schließlich waren sie – und sind natürlich auch in der Zukunft – bereit, dieses hohe Amt auszufüllen. Dies verdient Respekt und mehr Aufmerksamkeit als bisher. Heute dürfen sie noch mit zur Proklamation des Königs auf die Bühne und werden zum Krönungsball eingeladen, das war es. Hier gibt es sicher noch viele Möglichkeiten, sie im wahrsten Sinne des Wortes „bei der Stange“ zu halten, denn beim Königsschießen gibt es zwar einen glücklichen Sieger, aber keine Verlierer. Gewinner eines spannenden Wettkampfes ist immer unser Neusser Schützenfest.